Das alte und das neue “Normal“ | N8waechter.net

Von
N8waechter

17. Sep. 2020

2907
8

Im Kommentarfaden zum Beitrag „Das Schweigen der Lämmer“ meldete sich nach längerer Zeit Kommentator “Rolf vom Vulkan“ zu Wort. Sein Kommentar schildert die Verhältnisse seiner Jugend und zieht einen Vergleich zur heutigen Zeit und der Art und Weise, wie der überwiegende Teil der Menschen heute medial kontrolliert und zu Handlungen bewegt werden (sollen), welche keineswegs zu ihrem Besten sind.

Eine ausdrückliche Leseempfehlung.

Alles läuft nach Plan …

Der Nachtwächter

Werte Freunde und Mitstreiter,

[a]ls ich noch klein war, lebten wir auf dem Land in sehr bescheidenen Verhältnissen. Aber mit der weitergehenden Industrialisierung und Technisierung unseres Lebens hat sich viel verändert.

Es gab noch keine Smartphones und keine Computer und auch keine künstliche Beschleunigung des Lebens. Das Leben war beschaulich und ich hatte ohne die heute allgegenwärtigen Ablenkungen viel Zeit zum Lernen. In unserem Dorf hatten wir bei 450 Einwohnern gerade mal drei Autos, und nur wenige besaßen einen Telefonanschluß. Ich kann mich noch daran erinnern, daß unser Nachbar öfters mal vorbeikam, um von uns aus anzurufen. Einige der Kreisstraßen waren noch Schotterwege. Der Anblick eines Pferdefuhrwerkes gehörte zum Alltag.

Meine Mutter hatte keine Waschmaschine sondern ein Waschbrett in der Waschküche im Keller und der Eisenherd in der Küche wurde, wie auch der große Kachelofen im Wohnzimmer, mit Buchenholz befeuert. Das erforderliche Holz für die Öfen hat mein Vater mit der Säge und der Axt vorbereitet, wobei ich ihm öfters geholfen habe. Nicht mal Taschenrechner gab es. Mein Vater hat alles von Hand oder mit seinem Rechenschieber ausgerechnet, wenn er mit Zahlen hantieren mußte.

Wir hatten im Wohnzimmer immerhin einen Röhrenfernseher stehen, bei dem alle paar Monate eine defekte Röhre getauscht werden mußte. Die Knöpfe am Fernseher erlaubten die Auswahl von gerade mal drei Programmen. Die Programme begannen nachmittags und um 22:00 Uhr war Sendeschluß. Ein einfaches Radio und ein Plattenspieler ergänzten die mediale Ausstattung.

Supermärkte gab es nicht. Alle Lebensmittel haben wir beim Bauern um die Ecke oder in der Genossenschaft geholt. Wenn das Geld mal nicht gereicht hat, bin ich dem Bauern zur Hand gegangen und habe ihm bei der Versorgung der Tiere geholfen. Kleidung konnte man beim örtlichen Schneider erwerben, denn er hatte auch ein kleines Geschäft. Kurze Zeit später konnten wir mit Hilfe eines Kataloges auch Kleidung über den Versandhandel bestellen. Die Sammelbestellung übernahm die Frau des Dorflehrers, eine herzensgute Frau. Sie hat auch für alle Kaffee und Tee bestellt. Dank der Sammelbestellung bekamen wir günstigere Preise.

Ich könnte noch viel mehr erzählen. Irgendwie ging es auch so. Ich hatte ohne all die heute üblichen Unterbrechungen, Ablenkungen und Störungen die Möglichkeit, die Lernobjekte als Kind viel besser zu analysieren und auch ihr Wesen zu verstehen. So war es möglich, ein Gefühl für alles zu entwickeln, was mich umgab und das gab mir ein riesengroßes Vertrauen und Sicherheit.

Als ich mit meinem Vater zum Einkaufen zur Genossenschaft gefahren bin, machte es immer „Ping“ beim Öffnen der Tür zum Ladengeschäft und über der Tür war das bekannte Raiffeisensymbol an die Wand gemalt. Dort stand geschrieben:

„Einer für Alle, Alle für Einen“
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